Geschäftskonto eröffnen: Worauf Selbstständige achten sollten

Lesedauer: 13 Min
Aktualisiert: 2. Juni 2026 18:07

Ein separates Konto für geschäftliche Einnahmen und Ausgaben ist für viele Selbstständige weit mehr als eine organisatorische Hilfe. Es schafft klare Strukturen, erleichtert die Buchhaltung und verhindert Vermischungen mit privaten Zahlungen. Wer sauber aufsetzt, spart später Zeit bei der Vorbereitung von Auswertungen, Umsatzsteuervoranmeldungen und Jahresabschlüssen.

Gerade am Anfang lohnt es sich, das Angebot nicht nur nach dem Preis zu bewerten. Entscheidend sind die Kosten im laufenden Betrieb, die technische Anbindung an Buchhaltungssoftware, der Funktionsumfang für den Zahlungsverkehr und die Frage, wie gut das Konto zum eigenen Geschäftsmodell passt. Ein Freelancer mit wenigen Buchungen braucht andere Bedingungen als ein wachsendes Unternehmen mit mehreren Mitarbeitenden und regelmäßigem Zahlungsverkehr.

Warum die Trennung von privat und geschäftlich so wichtig ist

Eine klare Kontostruktur erleichtert nicht nur die interne Übersicht, sondern auch den Umgang mit Steuerberatung, Banken und Finanzverwaltung. Geschäftliche Belege lassen sich sauber zuordnen, private Ausgaben tauchen nicht im operativen Zahlungsfluss auf, und Rückfragen bei Prüfungen oder Auswertungen lassen sich schneller klären. Zudem wirkt ein professionell geführtes Firmenkonto gegenüber Kunden und Geschäftspartnern deutlich geordneter.

Auch die Kontrolle über Liquidität verbessert sich. Sie erkennen auf einen Blick, welche Beträge tatsächlich für den Betrieb verfügbar sind, welche Forderungen noch offen sind und wie sich wiederkehrende Kosten entwickeln. Das ist besonders hilfreich, wenn Honorare, Steuerzahlungen und Versicherungsbeiträge in unterschiedlichen Rhythmen anfallen.

Welche Kontomodelle für Selbstständige infrage kommen

Banken und Finanzdienstleister bieten unterschiedliche Varianten an. Nicht jedes Modell eignet sich gleichermaßen für jede Unternehmensform oder jedes Nutzungsverhalten. Wir unterscheiden im Alltag vor allem zwischen klassischen Filialbanken, Direktbanken und digitalen Anbietern mit App-Fokus.

Klassische Banken mit persönlicher Beratung

Wer regelmäßig Beratung vor Ort benötigt oder komplexere Anforderungen hat, findet bei Filialbanken oft einen breiten Service. Dazu gehören Bargeldeinzahlungen, persönliche Ansprechpartner und teilweise auch spezielle Lösungen für Unternehmen mit höherem Zahlungsvolumen. Allerdings liegen die laufenden Gebühren häufig über dem Niveau digitaler Angebote.

Direktbanken mit schlankem Leistungsumfang

Direktbanken punkten häufig mit niedrigeren Kontoführungsgebühren und einfacher Online-Verwaltung. Für viele Selbstständige reicht das aus, solange Bargeld kaum eine Rolle spielt und keine komplexen Zusatzleistungen benötigt werden. Wichtig ist jedoch, die Kostenstruktur genau zu prüfen, weil einzelne Buchungen, Karten oder zusätzliche Services separat berechnet werden können.

Anleitung
1Ermitteln Sie die erwartete Zahl der monatlichen Buchungen.
2Prüfen Sie, ob Bargeld, Karten oder internationale Zahlungen wichtig sind.
3Vergleichen Sie die Gesamtkosten auf Basis Ihres typischen Nutzungsverhaltens.
4Kontrollieren Sie die Kompatibilität mit Ihrer Buchhaltungs- und Steuer-Software.
5Lesen Sie die Bedingungen zu Limits, Kündigungsfristen und Zusatzentgelten sorgfältig — Prüfe anschließend das Ergebnis und wiederhole bei Bedarf die entscheidenden Schritte.

Digitale Anbieter mit Fokus auf Automatisierung

Moderne Fintech-Lösungen sind oft auf schnelle Einrichtung, mobile Bedienung und Schnittstellen zu Buchhaltungssystemen ausgerichtet. Sie eignen sich besonders für digital arbeitende Unternehmer, die Belege mobil erfassen und Zahlungen direkt mit ihrer Software abgleichen möchten. Vor der Entscheidung sollten Sie prüfen, ob der Anbieter alle Funktionen bietet, die Sie im Tagesgeschäft tatsächlich benötigen.

Diese Kosten sollten Sie vor der Kontoeröffnung prüfen

Die monatliche Grundgebühr ist nur ein Teil der Kalkulation. Für die reale Belastung zählen auch Positionen, die im Kleingedruckten auftauchen. Wer hier sorgfältig vergleicht, vermeidet unnötige laufende Kosten.

  • Kontoführungsgebühr pro Monat

  • Kosten je Überweisung oder beleghafter Buchung

  • Gebühren für Karten und Zusatzkarten

  • Preis für Bargeldabhebungen und Bargeldeinzahlungen

  • Kosten für Echtzeitüberweisungen und Auslandstransaktionen

  • Entgelte für Schnittstellen, Unterkonten oder API-Zugänge

Besonders wichtig ist der Blick auf die Nutzungshäufigkeit. Ein Konto mit niedriger Grundgebühr kann teuer werden, wenn viele einzelne Buchungen anfallen. Umgekehrt kann ein etwas höherer Monatsbeitrag sinnvoll sein, wenn dafür nahezu alle Standardleistungen abgedeckt sind.

Funktionen, die im Alltag wirklich zählen

Ein gutes Geschäftskonto sollte nicht nur Zahlungen empfangen und senden können. Es muss die täglichen Abläufe unterstützen und möglichst wenig Reibung erzeugen. Je besser die technische Ausstattung, desto leichter lassen sich Buchhaltung und Zahlungsverkehr miteinander verbinden.

Schnittstellen zur Buchhaltungssoftware

Eine saubere Anbindung an Systeme für Rechnungswesen und Belegverwaltung spart täglich Zeit. Ideal ist eine automatische Übertragung von Umsätzen, damit Sie Zahlungen leichter zu Rechnungen oder Belegen zuordnen können. Prüfen Sie vor der Auswahl, ob Ihre vorhandene Software unterstützt wird und ob der Abgleich in beide Richtungen funktioniert.

Kartenverwaltung und Freigabeprozesse

Für Unternehmen mit mehreren Personen im Zahlungsprozess sind Rollen- und Rechtekonzepte hilfreich. Dann lassen sich Karten für Mitarbeitende ausgeben, Ausgabenlimits setzen und Freigaben für Zahlungen definieren. Das verhindert unklare Zuständigkeiten und verbessert die Kontrolle über Ausgaben.

Unterkonten und Rücklagenmanagement

Viele Selbstständige profitieren von getrennten Töpfen für Umsatzsteuer, Einkommensteuer oder operative Rücklagen. Mit Unterkonten oder virtuellen Töpfen behalten Sie besser im Blick, welcher Betrag nicht für laufende Ausgaben verfügbar ist. Gerade bei schwankenden Einnahmen ist das ein wirksames Instrument für mehr Planungssicherheit.

So gehen Sie bei der Auswahl strukturiert vor

Eine saubere Entscheidungslogik verhindert, dass Sie sich von einzelnen Werbeversprechen leiten lassen. Am besten definieren Sie zuerst Ihren Bedarf und gleichen danach die Anbieter systematisch ab.

  1. Ermitteln Sie die erwartete Zahl der monatlichen Buchungen.

  2. Prüfen Sie, ob Bargeld, Karten oder internationale Zahlungen wichtig sind.

  3. Vergleichen Sie die Gesamtkosten auf Basis Ihres typischen Nutzungsverhaltens.

  4. Kontrollieren Sie die Kompatibilität mit Ihrer Buchhaltungs- und Steuer-Software.

  5. Lesen Sie die Bedingungen zu Limits, Kündigungsfristen und Zusatzentgelten sorgfältig.

  6. Testen Sie Bedienung und Support, bevor Sie Geschäftsvorgänge vollständig umstellen.

Wer diesen Ablauf sauber durchläuft, reduziert Fehlentscheidungen deutlich. Besonders hilfreich ist es, die monatliche Buchungslast realistisch zu schätzen und nicht nur mit dem aktuellen Startniveau zu rechnen. Wächst das Geschäft, steigen meist auch die Anforderungen an das Konto.

Unterlagen und Voraussetzungen bei der Eröffnung

Die benötigten Nachweise hängen von Bank, Rechtsform und Geschäftsmodell ab. Im Regelfall verlangen Anbieter jedoch klare Angaben zur Person, zum Unternehmen und zur wirtschaftlichen Tätigkeit. Für Kapitalgesellschaften fallen die Prüfungen meist umfangreicher aus als bei Einzelunternehmen oder freiberuflicher Tätigkeit.

  • Ausweis oder Reisepass der antragstellenden Person

  • Steuerliche Angaben und gegebenenfalls Steuernummer

  • Gewerbeanmeldung oder Nachweis der freiberuflichen Tätigkeit

  • Handelsregisterauszug bei eintragungspflichtigen Gesellschaften

  • Angaben zu wirtschaftlich Berechtigten und Vertretungsregelungen

Je nach Anbieter erfolgt die Identifizierung digital oder in einer Filiale. Für Teams mit mehreren zeichnungsberechtigten Personen sollten Sie schon vorab festlegen, wer Zugriff erhält und wie Zahlungen freigegeben werden. Das spart spätere Umstellungen.

Besondere Anforderungen je nach Selbstständigkeit

Nicht jede Tätigkeit stellt dieselben Anforderungen an ein Geschäftskonto. Wer diese Unterschiede kennt, wählt schneller ein passendes Modell aus.

Freiberufliche Tätigkeiten mit wenigen Buchungen

Für beratende Berufe, Designer oder andere Solo-Selbstständige zählen meist geringe Kosten, einfache Bedienung und eine gute App. Ein schlankes Konto reicht oft aus, solange Rechnungen digital gestellt und Zahlungen per Überweisung abgewickelt werden.

Handel, E-Commerce und wachsender Zahlungsverkehr

Im Handel und Onlinegeschäft sind schnelle Buchungen, Schnittstellen und Auswertungen besonders wichtig. Hier spielen auch Unterkonten, Zahlungseingänge über verschiedene Kanäle und der Export für die Buchhaltung eine größere Rolle. Zudem sollten Sie prüfen, ob das Konto mit Zahlungsdiensten, Marktplätzen oder Kassensystemen harmoniert.

Unternehmen mit Mitarbeitenden oder mehreren Gesellschaftern

Sobald mehrere Personen auf das Konto zugreifen, sind klare Zuständigkeiten unverzichtbar. Rollen, Freigaben und Protokolle schaffen Transparenz und verhindern Fehler. In diesem Umfeld sind auch Mehrbenutzerfunktionen und dokumentierte Berechtigungen ein wichtiges Auswahlkriterium.

Typische Stolperstellen bei der Entscheidung

In der Praxis werden häufig nur die offensichtlichen Gebühren verglichen. Dadurch bleiben wichtige Aspekte unberücksichtigt. Besonders relevant sind Kündigungsfristen, Einschränkungen bei Bargeld, fehlende Schnittstellen und Bedingungen für Auslandstransaktionen.

Auch die Erreichbarkeit des Supports verdient Aufmerksamkeit. Ein günstiges Konto hilft wenig, wenn Rückfragen zu Sperren, Kartenproblemen oder Zahlungsfreigaben nur verzögert beantwortet werden. Für Unternehmen mit laufenden Zahlungspflichten kann das schnell operative Folgen haben.

Ein weiterer Punkt ist die Skalierbarkeit. Was heute für eine Ein-Personen-Struktur genügt, reicht bei mehr Belegen, Mitarbeitenden oder Zahlungsarten möglicherweise nicht mehr aus. Deshalb lohnt sich ein Blick auf die nächsten zwölf bis 24 Monate statt nur auf den aktuellen Zustand.

So binden Sie das Konto in Ihre Abläufe ein

Nach der Eröffnung beginnt die eigentliche Arbeit mit der sauberen Integration in den Geschäftsalltag. Legen Sie feste Regeln für Eingänge, Ausgaben und Rücklagen fest. Viele Unternehmen arbeiten damit erfolgreich, weil so aus einem reinen Zahlungsinstrument ein steuerbarerer Teil der Finanzorganisation wird.

Bewährt hat sich folgendes Vorgehen: Zahlungseingänge werden täglich oder zumindest regelmäßig überprüft, Belege zeitnah erfasst und Rücklagen direkt nach dem Zahlungseingang getrennt. Wer diese Abläufe früh etabliert, behält Liquidität und Buchführung besser unter Kontrolle. Bei mehreren Beteiligten sollten die Zuständigkeiten klar dokumentiert sein, damit keine Zahlung liegen bleibt oder doppelt freigegeben wird.

Auch die Abstimmung mit der Steuerberatung sollte von Anfang an mitgedacht werden. Je sauberer Umsätze, Belege und Konten zusammengeführt werden, desto weniger Nacharbeit entsteht am Monats- oder Quartalsende.

Welche Leistungen im Tagesgeschäft zusätzlich sinnvoll sind

Ein Geschäftskonto für Selbstständige sollte mehr leisten als nur Überweisungen und Kartenzahlungen zu verwalten. Im Alltag zählen vor allem Funktionen, die wiederkehrende Abläufe vereinfachen und Fehlerquellen reduzieren. Dazu gehören etwa saubere Belegzuordnung, zuverlässige Benachrichtigungen, mehrere Zugriffsrechte und eine klare Übersicht über offene Posten. Wer regelmäßig Rechnungen stellt, Auslagen erstattet oder mit wechselnden Zahlungseingängen arbeitet, profitiert besonders von einer Struktur, die Zahlungen schnell einordnet und nachvollziehbar macht.

Wir empfehlen, die Anforderungen nicht nur nach der aktuellen Situation zu bewerten, sondern auch nach dem erwarteten Wachstum. Ein Konto, das heute für wenige Buchungen ausreicht, kann bei steigender Auftragslage schnell zu eng werden. Sinnvoll ist daher ein Blick auf Funktionen wie SEPA-Lastschrift, Sammelüberweisungen, automatische Zahlungseingänge, Echtzeitbenachrichtigungen und interne Freigabewege. So bleibt der administrative Aufwand auch dann beherrschbar, wenn sich das Geschäft verdichtet.

  • Mehrere Unterkonten oder virtuelle Konten für Rücklagen, Steuern und laufende Kosten
  • Individuelle Rollen für Steuerberatung, Assistenz oder Mitgesellschafter
  • Exportmöglichkeiten für Buchhaltung und Jahresabschluss
  • Klare Zahlungsreferenzen für eine schnelle Zuordnung von Einnahmen und Ausgaben
  • Benachrichtigungen bei eingehenden Beträgen, Rücklastschriften oder Limitüberschreitungen

Wie Sie die Kontoführung in Ihre Abläufe einpassen

Ein Konto entfaltet seinen Nutzen erst dann voll, wenn es in die bestehenden Prozesse eingebettet ist. Das betrifft vor allem Rechnungsstellung, Belegablage, Zahlungsprüfung und die Zusammenarbeit mit der Steuerberatung. Wer diese Schritte vorab sauber definiert, vermeidet spätere Umwege und doppelte Arbeit. Entscheidend ist nicht nur, was das Konto technisch kann, sondern wie gut es sich in Ihren tatsächlichen Arbeitsalltag fügt.

Am Anfang steht eine einfache Prozessprüfung: Wer erfasst Zahlungen, wer prüft Abweichungen und wer gibt größere Beträge frei? Danach legen wir fest, welche Informationen am Zahlungseingang benötigt werden, damit Buchungen ohne Zusatzaufwand zugeordnet werden können. Ebenso wichtig ist der Zeitpunkt, zu dem Daten an die Buchhaltung übergeben werden. Je näher diese Übertragung am Zahlungszeitpunkt liegt, desto geringer ist die Fehlerquote.

  1. Alle wiederkehrenden Geldströme erfassen, etwa Kundenzahlungen, Abos, Steuern und Lieferantenrechnungen.
  2. Prüfen, welche Kontoauszüge, Exporte und Schnittstellen Ihre Buchhaltung tatsächlich benötigt.
  3. Regeln für Freigaben, Limits und Vertretungen festlegen.
  4. Belegablage und Buchungsvorbereitung direkt an den Zahlungseingang koppeln.
  5. In festen Abständen kontrollieren, ob die Kontostruktur noch zur Umsatz- und Kostenentwicklung passt.

Worauf es bei Sicherheit, Zugriff und Vollmachten ankommt

Gerade bei mehreren Beteiligten darf der Zugriff auf das Konto nicht dem Zufall überlassen bleiben. Ein durchdachtes Berechtigungskonzept schützt vor Fehlbuchungen und ungewollten Ausgaben. Gleichzeitig muss der Zugriff praktikabel bleiben, damit Zahlungen im Tagesgeschäft nicht blockiert werden. Für kleinere Strukturen reicht oft eine klare Trennung zwischen Leserechten und Zahlungsrechten. In größeren Organisationen kommen Freigabestufen, limitierte Karten und rollenbasierte Zugriffe hinzu.

Ein weiterer Punkt betrifft die Absicherung gegen Ausfälle. Wer allein arbeitet, sollte prüfen, wie schnell der Zugriff bei Geräteverlust, Passwortproblemen oder technischen Störungen wiederhergestellt wird. In Teams ist zusätzlich wichtig, dass Vertretungsregeln dokumentiert sind und nicht nur mündlich bestehen. Für die Praxis bedeutet das: Notfallzugänge, sichere Authentifizierung und nachvollziehbare Zuständigkeiten gehören von Beginn an in die Einrichtung des Kontos.

  • Rollen für Lesen, Erfassen, Freigeben und Verwalten getrennt definieren
  • Limits für Karten, Überweisungen und Bargeldabhebungen festlegen
  • Zwei-Faktor-Authentifizierung und sichere Geräteverwaltung aktivieren
  • Vertretungen für Urlaubs- und Krankheitszeiten dokumentieren
  • Zugriffsrechte regelmäßig überprüfen und nicht mehr benötigte Berechtigungen löschen

Wann ein Kontowechsel oder ein zweites Konto sinnvoll wird

Nicht jede Geschäftssituation lässt sich dauerhaft mit einem einzigen Konto sauber abbilden. Sobald Zahlungsströme sehr unterschiedlich werden, kann eine Aufteilung helfen. Typisch ist das bei getrennten Geschäftszweigen, saisonalen Umsätzen oder bei Tätigkeiten mit hohem Transaktionsvolumen. Ein zweites Konto schafft Übersicht, wenn etwa ein Teil des Geschäfts besonders viele kleine Zahlungen erzeugt, während ein anderer Bereich eher projektbezogen arbeitet.

Auch für die Liquiditätssteuerung kann eine Trennung sinnvoll sein. Wer feste Rücklagen bilden, Steuerzahlungen vorhalten oder bestimmte Budgets separat kontrollieren möchte, arbeitet mit mehreren Konten oft präziser. Wichtig ist allerdings, dass die Struktur nicht unnötig komplex wird. Mehr Konten sind nur dann ein Vorteil, wenn sie die Arbeit klarer machen und nicht zusätzliche Abstimmung erzeugen.

Für die Entscheidung helfen drei Leitfragen: Lassen sich Einnahmen und Ausgaben eindeutig zuordnen? Bleibt die Abstimmung mit der Buchhaltung schlank? Und verbessert die Kontenstruktur die Übersicht über verfügbare Mittel? Sobald eine dieser Fragen mit Nein beantwortet werden muss, lohnt sich ein Blick auf eine geänderte Kontostruktur oder auf ergänzende Kontomodelle.

Häufige Fragen zur Kontowahl für Selbstständige

Wann ist ein separates Geschäftskonto sinnvoll?

Sobald geschäftliche Einnahmen und Ausgaben regelmäßig anfallen, schafft ein getrenntes Konto mehr Übersicht und erleichtert die Buchhaltung. Für Sie wird außerdem die Nachvollziehbarkeit gegenüber dem Finanzamt deutlich einfacher, weil private und betriebliche Vorgänge sauber auseinandergehalten werden.

Gibt es eine gesetzliche Pflicht für ein Geschäftskonto?

Für viele Selbstständige besteht keine allgemeine Pflicht, ein eigenes Geschäftskonto zu führen. In der Praxis verlangen jedoch manche Banken, Zahlungsdienstleister oder Gesellschaftsformen eine klare Trennung, und bei Kapitalgesellschaften ist ein separates Firmenkonto üblich und oft notwendig.

Worin unterscheidet sich ein Geschäftskonto von einem privaten Girokonto?

Ein Geschäftskonto ist auf geschäftliche Zahlungsströme, Auswertungen und häufig auch auf Team- oder Steuerfunktionen ausgelegt. Private Konten bieten solche Auswertungen, Rollenmodelle oder Schnittstellen zur Buchhaltung meist nicht in derselben Tiefe.

Welche Unterlagen werden bei der Eröffnung meistens verlangt?

In der Regel benötigen Sie einen Identitätsnachweis, Angaben zu Ihrer selbstständigen Tätigkeit und je nach Rechtsform weitere Nachweise wie Gewerbeanmeldung, Handelsregisterauszug oder Steuerdaten. Bei mehreren Gesellschaftern oder Unterschriftsberechtigten kommen zusätzlich Angaben zu den beteiligten Personen hinzu.

Worauf sollten wir bei den Kontokosten besonders achten?

Neben der monatlichen Grundgebühr zählen Buchungsposten, Kartenkosten, Bargeldeinzahlungen, Fremdwährungsentgelte und Zusatzfunktionen zu den entscheidenden Faktoren. Ein günstiger Grundpreis ist wenig aussagekräftig, wenn einzelne Transaktionen oder wichtige Funktionen später spürbar zusätzlich berechnet werden.

Welche Funktionen sind für den Alltag besonders hilfreich?

Wichtige Funktionen sind gut strukturierte Umsatzanzeigen, mehrere Karten, SEPA-Überweisungen, Lastschriften, digitale Belegzuordnung und Exportmöglichkeiten für die Buchhaltung. Je nach Geschäftsmodell können auch Freigabeprozesse, Unterkonten oder automatisierte Kategorisierungen den Arbeitsalltag deutlich erleichtern.

Wie wichtig ist die Anbindung an Buchhaltungssoftware?

Für viele Selbstständige ist die Verbindung zur Buchhaltung ein zentraler Effizienzfaktor, weil Bankbewegungen automatisch übernommen und Belege schneller zugeordnet werden können. Das reduziert manuelle Arbeit, senkt Fehlerquellen und verbessert die Qualität Ihrer Auswertungen.

Ist ein Online-Anbieter für jedes Geschäftsmodell geeignet?

Digitale Anbieter passen sehr gut, wenn Sie schnelle Abläufe, geringe Kontoführungsgebühren und eine gute App-Nutzung erwarten. Bei komplexeren Anforderungen, hohem Bargeldaufkommen oder dem Wunsch nach persönlicher Betreuung kann ein klassisches Institut besser passen.

Wie prüfen wir, ob ein Konto zu unserem Wachstum passt?

Wir sollten darauf achten, ob das Kontomodell mit zusätzlichen Karten, weiteren Nutzerrechten, höheren Transaktionsvolumina und internationalen Zahlungen mitwachsen kann. Wichtig ist auch, ob der Wechsel in einen größeren Tarif ohne aufwendige Umstellung möglich ist.

Welche Fehler sollten Sie bei der Entscheidung vermeiden?

Häufig werden nur die Grundgebühren verglichen, obwohl die echten Kosten erst durch Zusatzentgelte sichtbar werden. Ebenfalls problematisch ist es, erst nach der Eröffnung zu prüfen, ob Buchhaltung, Freigaben, Auslandszahlungen oder Bargeldhandling im Alltag wirklich unterstützt werden.

Wie gehen wir nach der Eröffnung am besten vor?

Nach der Aktivierung sollten Sie das Konto sofort in Ihre Zahlungs- und Buchhaltungsprozesse einbinden, Karten vergeben, Zuständigkeiten festlegen und Belegwege definieren. Zusätzlich lohnt es sich, feste Routinen für Zahlungseingänge, Rücklagen und monatliche Auswertungen einzurichten, damit das Konto dauerhaft sauber geführt wird.

Fazit

Ein passendes Geschäftskonto unterstützt nicht nur den Zahlungsverkehr, sondern auch die Organisation, die Buchhaltung und die finanzielle Steuerung Ihres Unternehmens. Wer Gebühren, Funktionen, Skalierbarkeit und Abläufe gemeinsam betrachtet, trifft eine deutlich belastbarere Entscheidung. So schaffen Sie eine Lösung, die heute passt und auch bei wachsendem Geschäft verlässlich bleibt.

Checkliste
  • Kontoführungsgebühr pro Monat
  • Kosten je Überweisung oder beleghafter Buchung
  • Gebühren für Karten und Zusatzkarten
  • Preis für Bargeldabhebungen und Bargeldeinzahlungen
  • Kosten für Echtzeitüberweisungen und Auslandstransaktionen
  • Entgelte für Schnittstellen, Unterkonten oder API-Zugänge

Wie hilfreich war dieser Beitrag?
Noch keine Bewertung · 0 Bewertungen
Gewerbe-Tipps.de

Unsere Redaktion

Hinter Gewerbe-Tipps.de steht eine kleine Redaktion mit Blick für Gründung, Organisation und den geschäftlichen Alltag kleiner Unternehmen. Unsere Beiträge sollen helfen, Abläufe besser einzuordnen und Entscheidungen gut vorzubereiten.

Andreas Hondmann

Andreas Hondmann

Gründung, Rechnungen, Buchhaltung, Steuern und Software

Andreas schreibt über Themen, die für Gründer, Selbstständige und kleine Betriebe früh wichtig werden: von Gewerbeanmeldung und Rechnungen bis zu Belegen, Steuerfragen und passenden Programmen.

Gründung Rechnungen Buchhaltung Steuern Software
Christian Gerhards

Christian Gerhards

Finanzen, Personal, Zeiterfassung, Kunden, Aufträge und Recht

Christian betreut die organisatorischen und geschäftlichen Themen im laufenden Betrieb: Geschäftskonto, Liquidität, Personalfragen, Zeiterfassung, Kundenverwaltung, Aufträge und Verträge.

Finanzen Personal Zeiterfassung Kunden Recht
Wichtig: Unsere Beiträge dienen der allgemeinen Orientierung. Wir bieten keine individuelle Steuerberatung, Rechtsberatung, Finanzberatung oder Unternehmensberatung. Bei verbindlichen Entscheidungen, besonderen Einzelfällen oder rechtlichen und steuerlichen Risiken sollte eine geeignete Fachstelle einbezogen werden.

Schreibe einen Kommentar